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Wissen · 4 Min. Lesezeit

Was die Forschung über Deeskalation weiß

Deeskalation gilt oft als Talent: Manche können es, manche nicht. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild. Deeskalation ist vor allem Handwerk, und sie beginnt lange bevor eine Situation zur Krise wird.

Illustration: ein Weg, der in ruhigen Stufen aufwärts führt

Krisen kündigen sich an

Der vielleicht wichtigste Befund ist zugleich der unspektakulärste: Eskalationen kommen selten aus dem Nichts. Ihnen gehen fast immer Anzeichen voraus, ein verändertes Bewegungsmuster, ein anderer Tonfall, Rückzug oder Rastlosigkeit. Teams, die diese frühen Signale kennen und ernst nehmen, greifen früher und ruhiger ein. Je später eine Situation erkannt wird, desto weniger Handlungsmöglichkeiten bleiben.

Beziehung wirkt stärker als Technik

Gesprächstechniken lassen sich lernen, und sie helfen. Aber sie wirken nur auf einem Fundament: der Beziehung. Ein junger Mensch, der der anwesenden Fachkraft vertraut, lässt sich in Anspannung eher erreichen als von einer fremden Person mit perfekter Technik. Deshalb gehört zur Krisenprävention immer beides: geschulte Fachkräfte und Strukturen, in denen Beziehungen halten können.

„Deeskalation entscheidet sich nicht in der Krise. Sie entscheidet sich in den Wochen davor.“

Haltung lässt sich trainieren

Untersuchungen zu Schulungsprogrammen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Reines Faktenwissen verändert den Alltag kaum. Wirksam wird Weiterbildung dort, wo Haltung und Handeln gemeinsam geübt werden, in realistischen Situationen, im eigenen Team, mit ehrlicher Rückmeldung. Und sie wirkt nur dauerhaft, wenn das Gelernte aufgefrischt wird, statt in einem Ordner zu verschwinden. Genau darauf ist unsere Weiterbildung aufgebaut.

Aus jeder Krise lernen

Ebenso gut belegt ist der Wert der Nachbesprechung. Teams, die Krisen strukturiert auswerten, erleben weniger und mildere Folgekrisen. Entscheidend ist dabei die Frage, die gestellt wird: nicht „Wer hat einen Fehler gemacht?“, sondern „Was hat die Situation begünstigt, und was schützt uns beim nächsten Mal?”. In unserer Forschung werten wir solche Verläufe systematisch aus und geben die Erkenntnisse an die Praxis zurück.

Was das für Einrichtungen bedeutet

Wer Deeskalation verbessern will, muss nicht auf besondere Talente warten. Es braucht drei Dinge: Fachkräfte, die früh erkennen und ruhig handeln können; Strukturen, in denen Beziehungen gehalten werden; und eine Kultur, die aus Krisen lernt statt Schuldige zu suchen. Alle drei lassen sich aufbauen, Schritt für Schritt.

Porträt von Björn Rehner
Björn RehnerB.Sc. Psychologie
Unterschrift von Björn Rehner
Geschrieben von

Sie möchten Ihr Team zu Deeskalation weiterbilden? Auf der Seite Weiterbildung erklären wir unsere Formate, oder nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

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